Besuch der Greifvogelstation Berg am Irchel bei Andi Lischke

Kurzfristig konnten wir unseren Besuch bei der Greifvogelstation vorverschieben. Momentan ist sehr viel los. Es hat einige kranke, schwache oder erschöpfte Greife in den „Erholungs-Boxen“. Die Greifvogelstation ist eine Art Krankenstation mit Reha und nicht mit einer Falknerei zu verwechseln.

Nach der Anreise endlich angekommen, essen wir zuerst unsere Sandwichs. Danach geht es los. Wir sind schon alle sehr gespannt. Herr Andi Lischke heisst uns herzlich willkommen. Er ist der Leiter der Greifvogelstation und wird uns diese zeigen.

Herr Lischke führte uns in einen warmen Raum mit vielen Greifvögel-Präparaten. Das waren alles verletzte Tiere, die es leider nicht geschafft haben.

Wir wurden in Gruppen aufgeteilt und erhielten ein Präparat welches wir bestimmen mussten, wie Grösse, Spannweite, Gewicht, Vorkommen, Nahrung, besondere Merkmale, etc. Jede Gruppe durfte ihr Präparat vorstellen. Alle Kinder haben dies super gemacht. Nicht einfach im Lexikon abgeschrieben, sondern sich wirklich Gedanken gemacht über die Farbe, Musterung, Augen etc.

An der frischen Luft machten wir ein Eulen- Jagd-Spiel. Es gab 3 Eulen und die restlichen Kinder waren die Mäuse. Die Eulen hatten eine Augenbinde auf und die Mäuse mussten quik Laute von sich geben und die Eule so zur Beute lenken. Das war witzig und praktisch jede Eule war erfolgreich und musste somit nicht hungern.

Plötzlich holte Herr Lischke einen echten Waldkauz. Der Waldkauz hatte leider einen Zusammenstoss mit einem Auto und hat sich dabei heftig am Auge verletzt. Wir waren alle ganz gespannt und es herrschte absolute Ruhe. Der Waldkauz beeindruckte uns sehr, wir ihn wohl eher nicht. Herr Lischke hatte spezielle dicke Lederhandschuhe an, damit er nicht verletzt wurde. Zudem hielt er auch die Füsse vom Waldkauz. Der Waldkauz muss momentan gefüttert werden, und wir durften zuschauen. Die tote Maus wurde einfach in den Schnabel gedrückt, gestopft, leicht am Hals gestreichelt und dann wieder gestopft, bis die Maus verschwunden war und wir nur noch den Mäuseschwanz aus dem Schnabel hängen sahen. Ganz speziell. Nun zeigte Herr Lischke uns wo der Waldkauz sein Ohr versteckt hat, sieht lustig aus unter diesen vielen Federn. Der Waldkauz hat einen Rundumblick von 270 Grad Radius, das ist viel mehr als wir haben.

Andi      vollgefressener Waldkauz, Mäuseschwanz schaut noch aus dem Schnabel, Foto von Evi Gwerder

Wir durften alle zusammen in die Greifvogelstation rein. Es hat einige Boxen aus Holz, die eher klein wirken. Wir haben uns Sorgen gemacht, dass da der Greifvogel zu wenig Platz hat. Diese „Erholungs-Boxen“ sind natürlich extra so gemacht, dass die verletzten Greife sich ausruhen können/müssen und nicht in Versuchung kommen, zu fliegen oder so. Auf der linken Seite der Station hat es Deluxe Abteile, schön gross und mit einem Drahtdach unter freiem Himmel.

Wir mussten in so eine grosse Freiluftbox und wussten nicht so recht was wir dort drin sollten. Danach kamen wir aus dem Staunen nicht mehr heraus. Herr Lischke holte einen verletzten Mäusebussard aus der Box. Wow dieser imposante Schnabel und diese starken Krallen, auch die braunen Augen und die schöne Maserung ist uns aufgefallen. So nahe hat wohl noch niemand von uns einen Greifvogel gesehen.

Als nächsten Greif bestaunten wir den Turmfalken. Ein eher kleiner Greifvogel, aber dafür mit scharfem und kräftigem Schnabel, mit Schnabelzahn zum Reissen, schwarzen Augen, rötlichem Gefieder und dunklen Flecken an der Brust. Er hat Herrn Lischke sogar durch die dicken Lederhandschuhe gepackt. Anscheinend passiert dies ab und an. Es sind und bleiben Wildtiere, auch wenn die Greifvogelstation ihnen Gutes tut.

Endlich war der Rotmilan an der Reihe. Unser wohl bekanntester Greifvogel vom Zürcher Unterland. Seine Kopffedern sind gräulich, er hat helle Augen, rötliches Gefieder. Erstaunlicherweise ist der Rotmilan ein eher schwacher Greif. Sein Schnabel ist nicht kräftig und nicht scharf. Herr Lischke hielt ihm seinen Finger direkt zum Schnabel hin, doch es ist nichts passiert. Auch die Krallen sind für uns nicht gefährlich. Ganz speziell fanden wir alle, dass sich der Rotmilan tot stellt, wenn man ihn auf den Rücken dreht.

Dann hörten wir nur lautes Kreischen, ein Kreischen, das wir nicht zuordnen konnten. Herr Lischke probierte den Vogel mittels netten Worten zu besänftigen, doch der Habicht wollte seinem Unmut kundtun. Er ist ein grosser Greifvogel mit gräulich / bräunlichem Gefieder und den typisch gelben Augen. Die Krallen hat Herr Lischke festgehalten, so dass der Habicht keinen Spielraum hatte. Dies passte ihm gar nicht und er schrie wieder. Das war echt laut und hat uns allen grossen Eindruck gemacht.

Ein Wanderfalke, der zur Jagd ausgebildet ist, wohnt ebenfalls dort. Dieser wusste nicht so recht, warum er keine Kappe auf den Kopf bekommt und wollte die ganze Zeit Richtung Türe fliehen. Herr Lischke weiss ganz genau, welche Greifvogelart wie reagiert. Dieser Wanderfalke hat auch Bändchen an den Greifen. In der freien Natur stürzt sich der Wanderfalke während der Jagd teilweise mit 340 Stunden/Kilometer auf seine Beute. Sein Gefieder ist eher gräulich, die Augen sind schwarz.

So viele verletzte Greifvögel, das stimmt einem nachdenklich. Die meisten Greife sind mit Autos zusammengeprallt und haben sich einen Flügel gebrochen, Augen oder Füsse verletzt. Oftmals knicken auch die Flugfedern und der Greif muss geduldig warten, bis sie wieder nachwachsen.

Die letzte Station ist eine riesen Voliere für die Greife. Dort müssen sie während 2-3 Wochen zeigen, dass sie kräftig genug sind zum Fliegen und sich vollständig erholt haben. Sobald Herr Lischke sein ok gibt, werden sie beringt in die Freiheit entlassen. In dieser Voliere sind hauptsächlich Rotmilane und Mäusebussarde. Man kann nicht alle Greifvögel Arten zusammen in eine Voliere tun. Manche sind tagaktiv oder nachtaktiv, manche fressen auch kleinere Greifvögel. Also nur nichts Unnötiges riskieren…

Wir sind uns alle einig, dass es ein toller Anlass war. So vieles haben wir gelernt, so vielen Greifvögeln durften wir Nahe sein und konnten sie genau anschauen. So viele Schicksale haben wir kennengelernt. Wir sind uns einig, Herr Lischke leistet tolle Arbeit, denn von etwa 220 verletzten Greifvögeln kann er etwa 180-190 wieder in die Freiheit entlassen. Leider kommt für manche verletzten Greifvögel aber jegliche Hilfe zu spät. Auch dies gehört leider zum Leben der Greifvogelstation.

Kurz gesagt, es war super bei euch! Herzlichen Dank!

Wollt Ihr mehr erfahren dan Besucht doch die Internetseite der Greifvogelstation: greifvogelstation.ch

BergamIrchel

v.L hinten: Evi, Dani, Rita, Erik, v.L. mitte: Andro, Vincenz, Lara, Luana, Desirée, Ruan, Elia, Sandro, Pedro, Devora, Jasmin, Espen, Marco, v.L vorne: Raffaella, Anrai, Meli und Ylvi. Auf dem Bild fehlen Rion, Ben, Martin und Leandro